Bezugslinie

Die Bedürfnisanstalt, Hamburg, Germany
25.01.-31.01.2020

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Meine Arbeit basiert auf dem Thema der Konfrontation - der Reibung und gegenseitigen Beeinflussung verschiedener Verhältnisse. Sie umfasst politische, gesellschaftliche, kulturelle, ideologische und normative Unterschiede. Wir leben in einem ständigen Zwiespalt zwischen Hier und Dort, Vergangenheit und Zukunft, Leben und Tod. Dieser Gegensatz ist mir als Koreanerin während meines Bühnenbildstudiums in Deutschland besonders deutlich geworden. Zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum gibt es ein unsichtbare „vierte Wand“. Wir als Zuschauer sowie die Schauspieler spiegeln sich durch diese Wand ineinander wider. Gleiches gilt für unsere Umwelt und das Bühnenbild. Die Kommunikation zwischen all diesen Akteuren setzt sich andauernd fort.

Für mich ist diese „vierte Wand“ ein allgegenwärtiges Bindeglied das etwas Gegensätzliches auf unsichtbare, undeutliche, ambivalente und dynamische Weise miteinander verbindet. Ich suche nach solchen Gegensätzen und versuche, sie aufzubrechen, zu zersplittern sowie ihre Bedeutungen umzukehren oder zu verzerren. In diesem Prozess setze ich auf interaktive und kommunikative Vorgänge, um neue unerwartete Perspektiven zu provozieren. Diese Arbeitsweise entsteht aus meiner Ablehnung einer Gesellschaft, die alles klar in zwei Seiten unterteilen will. Da wir nicht genau zwischen Leben und Tod, Realität und Fiktion oder Gut und Böse unterscheiden können, versuche ich mit meiner Arbeit, Harmonie zwischen Gegensätzen zu schaffen.

In der Ausstellung „Bezugslinie“ stelle ich durch dissonante Bilder verschiedene Verhältnisse der Gesellschaft dar. Ich fokussiere mich dabei nicht nur auf den Bruch der Verhältnisse selbst, sondern vor allem auf die neu entstehenden Lücken und Verbindungen, auch wenn diese chaotisch erscheinen. Die Verbindung mehrerer Bruchstücke, deren verbindende Linien dadurch entkoppelt und druchkreuzt werden, führt hierbei zu unerwarteten Ergebnissen. Die neu entstehenden Bilder werden durch den Klang einer Violine und verschiedenen Objekten hörbar gemacht, sodass Bild und Ton im Raum miteinander reagieren.

© 2015 Woo Yeon Chun